Was ist Kunststoffwirtschaft?

Schauen wir uns Kunststoffe an, muss eigentlich zu ihren Gunsten gesprochen werden. Denn Kunststoff ist ein sehr innovativer Grundstoff. Vieles kann aus diesem Werkstoff gefertigt werden, sowohl für den Innen- wie auch den Außenbereich. Und doch hat die Gesamtwirtschaftsstruktur es geschafft, dass Kunststoffe zu einem Problem geworden sind. Das Hauptaugenmerk liegt in dieser Thematik auf den Verpackungskunststoffen. Denn sie haben eine nur geringe Zeitspanne, in der sie benötigt werden. Leider aber ist ihre Lebensdauer genauso lange wie die anderer Kunststoffe. Das bedeutet, dass sie entweder dem Recycling-Zyklus wieder zugeführt werden oder aber auf eine andere Art und Weise möglichst vollständig vernichtet werden. Wer nun aber glaubt, dass an diesem Punkt die Probleme um den Kunststoff aufhören, der irrt, denn hier kommen die Umweltschützer auf den Plan.

Die Frage, die sich aus diesen Tatsachen ergibt, sollte also sein, wie kann die Kunststoffwirtschaft den Werkstoff umweltverträglicher machen, ohne seine Qualitäten einzubüßen.

Unerschütterliche Fakten


Die Kunststoffwirtschaft ist nicht umsonst sehr stolz darauf, dass ausgerechnet ihr Produkt, der vielfältig verwendbare Kunststoff, nicht nur eine regelrecht explosive Nachfrage entfachen konnte und in diesem Punkt nach wie vor unangefochten den am stärksten nachgefragten Rohstoff darstellt. Nein, es wird, trotz aller Umweltprobleme, die der Kunststoff mit sich bringt und aller Proteste von Umweltschützern, davon ausgegangen, dass noch bis 2030 diese Position an der Spitze inne behalten werden kann.

Auch wenn die weltweite Nachfrage geringfügig gesunken ist, ist die grundsätzliche Tendenz, Kunststoffe einzusetzen, immer noch ungebrochen. Noch hat es keine ausreichenden Ideen oder einfach Ansätze gegeben, wie die Kunststoffe aus bestimmten Lebensbereichen vollständig verschwinden könnten. Sicherlich gibt es hier und da innovative Vorschläge, die auch zur Durchführung kommen. Aber diese sind oftmals nur für einen eher geringen Teil der Konsumenten gedacht. Dies kann am Preis, aber auch an der oftmals Art der Nutzung liegen.

Gefragt sind die unterschiedlichen Branchen, die Kunststoffe verwenden. Es liegt in ihren Händen, wie die Kunststoffwirtschaft hier weiterhin als Lieferant an Bord sein kann. Nehmen wir die Abfallwirtschaft als Beispiel. In sehr vielen Landkreisen wird die Mülltrennung akribisch durchgeführt. So gibt es eine Tonne für Restmüll, eine für Bioabfälle und eine für Papier. So weit, so gut. Die Kunststoffabfälle jedoch werden, ironischerweise, immer noch im so genannten „Gelben Sack“ gesammelt. Je nach Haushaltsgröße und Abfallaufkommen werden pro Woche ein bis mehrere Säcke benötigt. Diese haben leider eine minderwertige Qualität, reißen schnell ein und fliegen vor der Sammlung bei Sturm schnell davon. Warum kann nicht eine ebenfalls aus Kunststoff gefertigte, weitere Tonne (gerne gelb, wie auch der Sack) bundesweit Verwendung finden, um den Ressourcen im Abfallmanagement Herr zu werden?

A prospos Abfallmanagement


Die Kunststoffwirtschaft ist sich des Problems bewusst, dass die viele Produkte in der Verpackungsindustrie verwendet werden. Somit haben sie nur einen sehr geringen Gebrauchswert und landen schnell im Müll. Und genau hier beginnt das Problem. Denn nicht jeder gesammelte Joghurtbecher kann auch im Recyclingzyklus verwendet werden. Somit landen viele Kunststoffverpackungen in der Müllverbrennung, auf der Deponie oder werden anderweitig entsorgt. Leider ist dies kein rein deutsches Problem. Es tritt weltweit auf. Die Müll-Exporte machen die Situation nicht leichter. Vielmehr verlagern sie das Problem der korrekten Entsorgung des Kunststoffmülls nur in einen anderen Teil der Welt. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb die Müll-Exporte in verschiedene Staaten nicht mehr durchgeführt werden können, da diese den Müll-Import vollständig gestoppt haben. Zurecht! Wenn wir Müll verwerten wollen, ist dies am besten im eigenen Land möglich, ohne Frachtkapazitäten für wirklich wichtige Waren zu blockieren.

Kein schwarzer Peter


Wer nun der Kunststoffwirtschaft den schwarzen Peter in die Schuhe schieben möchte, ist diesbezüglich genau genommen auf dem verkehrten Weg. Denn die Kunststoffwirtschaft reagiert nur, wie es jeder Wirtschaftszweig tun würde, auf Angebot und Nachfrage. Solange die Nachfrage extrem hoch ist und die für die Kunststoffherstellung benötigten Rohstoffe nach wie vor problemlos erhältlich sind, gibt es aus rein wirtschaftlichen Gründen kein Argument, um die Produktion zurückzufahren. Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir genau, dass sich genau dieser Wirtschaftszweig aus einem anderen Land über alle Aufträge, die innerhalb Deutschlands abgelehnt würden, freuen wird. Dann müssen die Kunststoffwaren halt um den Globus geschifft werden. Bei den heutigen Transportkosten handelt es sich eher um ein Taschengeld als um einen beängstigenden Kostenfaktor.

Neben der Kunststoffwirtschaft sitzen noch andere Beteiligten am Verhandlungstisch, wenn es darum geht, gerade die Verpackungsmittel aus Kunststoff zu reduzieren: Vertreter aus der Gesellschaft, der Politik, Interessenverbände und natürlich die Hersteller und Verkäufer der Waren wie Lebensmittelketten, Discounter-Unternehmen und natürlich auch die Einzelhandelsketten. Schließlich ist nicht jedes, in Kunststoff verpackte Produkt auch ein Lebensmittel, nicht wahr? Wir brauchen diesbezüglich nur an die Spielzeug- oder Kleidungsindustrie zu denken. Ob die Verpackung aber in jedem Fall gerechtfertigt ist, bedarf eines strengen Umdenkens. Dieses Umdenken betrifft aber vor allem auch den Verbraucher. Meidet er vermehrt verpackte Waren, wird sich dies auf die Absatzzahlen der Kunststoffwirtschaft, der Verpackungsindustrie auswirken. Das Umdenken wird dann auf jeden Fall erfolgen müssen.

Recyceltes aus Kunststoff


Sicherlich können Waren, die aus recyceltem Kunststoff hergestellt wurden, mit einem etwas besserem Umweltgewissen genutzt werden, keine Frage. Und dennoch stellt sich auch bei diesen Produkten die Frage, wie sie letztlich entsorgt werden. Sicher ist, dass sie sehr robust sind und wie alle Kunststoffprodukte eine lange Lebensdauer aufweisen. Sicher ist auch, dass sie im Vergleich zu anderen Werkstoffen günstig zu erstehen sind, denken wir etwa an eine Gartenmöbelgarnitur aus Kunststoff im Vergleich zu einer aus erlesenem Holz.

Auch hier können wir ganz klar erkennen, dass es eigentlich der Verbraucher ist, der am Zuge ist, eine eventuelle Wende herbeizuführen. Es versteht sich von selbst, dass die Führungsriege der Kunststoffwirtschaft sich sicher fühlt, da die Nachfrage nur geringfügig eingebrochen ist in den letzten Jahren. Was aber würde passieren, wenn weltweit die Nachfrage aufgrund eines gewandeltem Bewusstseins des Verbrauchers massiv einbrechen würde?

Auch wenn es nicht die Aussage ist, die die Kunststoffwirtschaft oder irgendein anderer Wirtschaftszweig hören möchte: Man kann nicht alles, was die Wirtschaft erfolgreich auf den Markt bringt, mit den Argument des Angebots und der Nachfrage beantworten. Auch das Argument der Arbeitsplatzsicherung in der Industrie ist ein alter Hut. Ja, noch ist die Kunststoffwirtschaft sicher. Deshalb denkt noch niemand an die Wandelbarkeit des Verbrauchers. Man wird sehen …